Die Feldenkrais Methode, benannt nach ihrem Begründer, dem Physiker Dr. Moshé Feldenkrais, ist eine körperorientierte Lernmethode, mit Hilfe derer Menschen lernen sich bewusster wahrzunehmen. Der körperliche Zugang von Feldenkrais kann einen Beitrag zum fachlichen und sozialen Lernen leisten. Durch die meist ungewohnten Bewegungen lernen Kinder, sich besser wahrzunehmen und selbständig und im eigenen Rhythmus Alternativen zu ihrem gewohnten Verhalten zu finden. Vom Kennenlernen dieser neuen Welt im eigenen Selbst ist es nur ein Schritt, auch die Andersartigkeit von Freunden und Fremden zu schätzen. Sich selbst ohne Wertung zu spüren hilft, respektvoll und tolerant miteinander umzugehen.

„In Bewegung denken lernen“ kreiert neue Verknüpfungen im Gehirn, ermöglicht den spürenden Kontakt mit sich selbst und erweitert das Verstehen in Zusammenhängen. Feldenkrais‘ Traum war es, dass seine Methode weltweit in Schulen unterrichtet würde.

Unsere Idee ist es, Feldenkrais‘ ursprüngliche Vision der Integration zu verwirklichen und Merkmale des organischen Lernens in das schulische Lernen aufzunehmen. Dabei fokussieren wir uns zunächst vor allem auf Arbeit mit finanziell benachteiligten Kindern, Migrant*innen, oder Kindern mit Lernschwierigkeiten. Alle Schüler*innen und Lehrer*innen sollen durch die Bewegungsübungen im Unterricht vollständiger präsent werden und ihr Lernprozess somit bedeutungsvoller und mit ihrem gesamten Wesen verbunden sein. Durch die Feldenkrais Methode sollen zwei wichtige Prozesse angestoßen werden: Erstens werden Schüler*innen und Lehrer*innen sich ihrer selbst bewusster und aufmerksamer als Ergebnis der Feldenkrais Lektion. Dies wirkt sich auf den folgenden Fachunterricht aus, der anschließend durchgeführt werden wird. Zweitens entwickelt sich unter den Teilnehmer*innen allmählich eine neue Sprache, eine neue Dynamik. Sie hören sich während des Bewegungsunterrichts aufmerksam zu. Die Schüler*innen lernen ihre eigenen Fortschritte zu erkennen und in verschiedene Richtungen zu denken, um mögliche Lösungswege zu erkunden. Auch die Fachlehrer*innen sind an dieser Entwicklung beteiligt, sie hören den Schüler*innen aufmerksamer zu und sind kreativer in der Unterrichtsgestaltung. Das Ergebnis ist, dass die Lehrer*innen nach und nach die Art und Weise ändern, in der sie ihr Fach unterrichten, indem sie Zeit für aktives Bewusstsein, Erforschung und Selbstführung der Schüler*innen lassen.

Unsere Vorstellung der praktischen Umsetzung ist inspiriert von und in Kollaboration mit einem israelischen Pilotprojekt, das von Dr. Eilat Almagor (Neurowissenschaftlerin) geführt wird und schon seit 2015 erfolgreich umgesetzt wird. Dr. Eilat Almagor leitet das Projekt zur Einbeziehung des Feldenkrais-Unterrichts in Schulen und arbeitet zusammen mit Neurowissenschaftler*innen in Israel und Deutschland an einer wissenschaftlichen Untersuchung, die darauf abzielt, die Auswirkungen der Feldenkrais-Methode auf die Gehirnaktivität zu untersuchen.

Moving Child will zunächst in Berlin und München Projekte ins Leben rufen, in denen Feldenkrais-Lehrer*innen 1-2 wöchentlich in den Schulunterricht kommen und für 20-30 Minuten Feldenkrais Bewegungsübungen anleiten. Die Fachlehrer*innen sind dabei ebenfalls anwesend. Danach folgt der normale Fachunterricht, wie zum Beispiel Mathematik, an dem dann auch die Feldenkrais-Lehrkraft teilnimmt. Jede*r Lehrer*in nimmt also als Schüler*in am Unterricht der anderen Lehrerkraft teil. Die Lehrer*innen treffen sich regelmäßig, um ihren Unterricht gemeinsam vorzubereiten und um ihr Verständnis von Feldenkrais und seiner Verbindung zum Lernen zu vertiefen. Moving Child hilft bei der Kontaktaufnahme und Vermittlung zwischen den Lehrer*innen und Schulen, der Ausarbeitung des Konzeptes und nicht zuletzt bei der finanziellen Unterstützung. Wir freuen euch in der Zukunft von unseren Fortschritten berichten zu können.

Quellen und Literaturhinweise

Das Jahr 2020 war kein einfaches. Ständige Angst, Unsicherheit, und eine Fülle finanzieller, gesundheitlicher und mentaler Herausforderungen haben das Leben aller erschwert. In Deutschland sind die Auswirkungen der Pandemie stark zu spüren und trotzdem ist unsere Lage im weltweiten Vergleich beinahe entspannt. Nichtsdestotrotz fehlt es auch in Deutschland während dieser Zeit an wichtigen Mitteln. Um den Corona-Pandemie Folgen entgegen zu wirken hat Moving Child In diesem Jahr die Unterstützung mehrerer Projekte erhöht. Besonders in Schulen und im Gesundheitssektor war in diesem Jahr eine dringende Versorgungslücke zu schließen. Darüber hinaus haben wir in diesem Jahr sieben neue Projekte in unsere Förderung aufgenommen und werden diese mit insgesamt mehr als 180.000€ unterstützen. Wir freuen uns sehr gerade in dieser schwierigen Zeit Kontakt zu solch großartigen Projekten zu bekommen und diese in ihrer Arbeit unterstützen zu können. Diese spannenden neuen Projekte sollen hier kurz vorgestellt werden.

Im Bereich der Gesundheitsförderung unterstützt Moving Child nun das von Hedi Gies geführte Institut Trauma und Pädagogik, welches das Ziel hat die Entwicklung der Traumapädagogik gesellschaftlich und institutionell, pädagogisch und individuell mitzugestalten. Grundidee des Instituts ist der kreative Prozess der Weiterentwicklung und Weitergabe traumapädagogischer Haltungen, Methoden und Konzepte. Moving Child unterstützt das Institut bei der Finanzierung der Traumafachberatungen für Kinder und Jugendliche. Die Kinder erhalten eine Beratung zu belasteten Themen des Alltags, die traumabedingt durch ihre oftmals destruktiven Bewältigungsstrategien gekennzeichnet sind. Außerdem wird der Verein Frauen Gesundheit Familien Zukunft gefördert, dessen Zweck die Prävention von psychischen Erkrankungen ist, die rund um die Geburt auftreten können. Die Arbeit des Vereins umfasst die individuelle und persönliche Begleitung in der Schwangerschaft, der Geburt und der frühen Elternzeit. Mit Hilfe der Initiativen des Vereins soll Frauen, und vor allem psychosozial belasteten Frauen, Kindern und ihren Familien ein rechtzeitiger Zugang zu vorhandenen Hilfsmaßnahmen ermöglicht werden. Diese Zugänge sollen helfen, die Rate an Neuerkrankungen im Bereich der peripartalen (rund um die Geburt) psychischen Erkrankungen zu minimieren. Moving Child’s neuestes Förderprojekt im Bereich „Gesundheit“ ist die Stiftung Ambulantes Kinderhospiz München, welche seit 2004 Familien mit unheilbar kranken und lebensbedrohlich schwersterkrankten jungen Menschen in ganz Bayern betreut. Die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen betreuen und begleiten die Patient*innen ab der Diagnose und über den Tod hinaus. Sie entlasten Familien in diesen psychischen und physischen Extremsituation und unterstützen sie dabei durch ein professionelles Team von Ärzt*innen, Psycholog*innen, Sozialpädagog*innen, Hebammen und Pflegekräften. Moving Child fördert vor allem drei besondere Bereiche der Stiftung: den RUF24 (Kriseninterventionsdienst), Therapiekosten für Betroffene und Angehörige, und kindgerechte Beerdigungen.

Wildwasser e.V. ist eine Arbeitsgemeinschaft gegen sexualisierte Gewalt in Berlin. Ihre Angebote richten sich an Mädchen und erwachsene Frauen, die als Mädchen oder Jugendliche sexualisierter Gewalt ausgesetzt waren, Angehörige und Unterstützer*innen. DonyA ist eine transkulturelle Wohngruppe des Wildwasser e.V., in der neun Mädchen zwischen 12 und 18 Jahren leben. Die Jugendlichen kommen in die Wohngruppe, weil sie in ihren Familien (sexualisierte) Gewalt oder Vernachlässigung erfahren haben, in Konfliktsituationen stecken, die sie nicht allein lösen können oder weil ihr Zuhause nicht die nötige Stabilität bietet. Das übergeordnete Ziel der Arbeit bei DonyA ist das Empowerment der Mädchen in allen Lebensbereichen. Moving Child finanzierte eine Sommerreise für die Mädchen, die für viele die erste Urlaubsreise überhaupt in ihrem Leben und gleichzeitig wichtiger Bestandteil der pädagogischen Arbeit war.

Im Bereich „Bildung“ hat Moving Child dieses Jahr zwei ganz besondere Projekt kennengelernt. Das erste ist die Quinoa Schule und ihr Träger, die Quinoa Bildung gGmbH. Die Quinoa Schule ist eine Privatschule im sozialen Brennpunkt Berlin-Wedding mit einem besonderen Ziel: alle Jugendlichen in Deutschland sollen ungeachtet ihrer sozialen und kulturellen Herkunft die Chance auf einen Schulabschluss und -anschluss bekommen. Durch individuelle und sprachliche Förderung, Beziehungs- und Familienarbeit, Berufsorientierung, interkulturelles Lernen und Verhaltensmanagement werden den Schüler*innen der Quinoa Schule die wichtigsten Fähigkeiten auf den Weg geben, um ein erfolgreiches und erfülltes Leben zu führen. Moving Child finanziert das Projekt „integrative Lerntherapie“, welches zur individuellen Lernplanausarbeitung gedacht ist und die Selbstreflektion, Motivation und Selbstwirksamkeit der Schüler*innen stärken soll. Außerdem fördert Moving Child seit diesem Jahr den Verein MiBiKids, der im Landkreis Freising Deutschförderung für Kindergartenkinder und Schüler*innen mit Migrationshintergrund anbietet. Das Ziel der MiBiKids ist es, die Kinder bei ihrer schulischen Laufbahn zu unterstützen und somit die Chancen auf eine erfolgreiche berufliche Zukunft zu erhöhen. Dabei sind die einzigen Aufnahmekriterien ein Migrationshintergrund und der Wille zur regelmäßigen Teilnahme.

Moving Child hat in diesem Jahr auch den Umweltschutz mit in ihre Satzung und das Förderprogram aufgenommen. Das erste unterstützte Projekt in diese Richtung war getragen vom BUND Naturschutz Bayern. Das Projekt befasste sich mit der Zurückdrängung der Massenausbreitung des Drüsigen Springkrauts, einer eingeschleppten Art, die die heimische Flora und Fauna verdrängt und den natürlichen Wasserhaushalt stört. Auf einer völlig von Springkraut dominierten Fläche im Auwald bei Waldkraiburg wurde in diesem Jahr eine Beweidung mit Rindern initiiert, wodurch sich eine Förderung der naturnahen Auenvegetation sowie von Arten, die besonnte offene Lebensräume benötigen, wie Zauneidechse, Gelbbauchunke und Ringelnatter, erhofft wurde. Bereits nach zweiwöchigem Einsatz hatten die Rinder das Springkraut fast völlig beseitigt. Wie sich die Vegetation entwickelt, wird in den nächsten Jahren weiter beobachtet.

Wir freuen uns auch in diesem Jahr neue Projekte gefunden zu haben und positive Entwicklungen in den länger schon von uns geförderten Projekten zu beobachten. Es ist bewundernswert wieviel Energie, Zeit und Liebe Menschen für ihre Mitmenschen aufbringen und es macht uns glücklich sie dabei unterstützen zu können. Unser Dank gilt auch den Spenderinnen und Spendern, die in diesem Jahr dabei geholfen haben die Moving Child Förderprojekte zu finanzieren.

Wir wünschen Ihnen allen ruhige und gesunde Feiertage und freuen uns auf die Entwicklungen im neuen Jahr!

Anna, Gertraud und Ella

Die Stiftung Ambulantes Kinderhospiz München (AKM) gehört zu den neuesten Förderprojekten der Moving Child. Die Stiftung AKM wurde von Christine und Florian Bronner gegründet und betreut seit 2004 Familien mit unheilbar kranken und lebensbedrohlich schwersterkrankten Ungeborenen, Neugeborenen, Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen sowie schwerstkranke Eltern mit Minderjährigen im Haushalt in ganz Bayern. Die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen betreuen und begleiten die Patient*innen ab der Diagnose und über den Tod hinaus. Sie entlasten Familien in diesen psychischen und physischen Extremsituationen und unterstützen sie dabei durch ein professionelles Team von Ärzt*innen, Psycholog*innen, Sozialpädagog*innen, Hebammen und Pflegekräften.

Moving Child fördert vor allem drei besondere Projekte der Stiftung: 1) RUF24 (Kriseninterventionsdienst), 2) Therapiekosten, und 3) kindgerechte Beerdigungen.

RUF24 ist ein kostenloses Rund-um-die-Uhr Angebot der Stiftung AKM. Betroffene können telefonisch Beratung in krisenhaften Ausnahmesituationen in Anspruch nehmen und die Mitarbeiter*innen von RUF24 kommen binnen 1-2 Stunden nach Hause oder in die Klinik. Dieses Angebot gibt Menschen in Belastungssituationen Halt und Stabilität. Wie die anderen Projekte der Stiftung AKM wird RUF24 durch Spenden finanziert. Moving Child ist von der Arbeit, die von der Stiftung AKM geleistet wird, so überzeugt, dass sie ab 2021 für drei Jahre das Basisangebot von RUF24 finanziert.

Die Stiftung AKM bietet verschiedene Therapieformen für Betroffene und Angehörige an. Traumatherapie, Reittherapie, Maltherapie und andere Therapieformen sind kostspielig, aber unerlässlich für die Verarbeitung von Traumata und Krisen. Die Stiftung AKM übernimmt Therapiekosten für Patient*innen, Geschwister und Eltern. Auch hier unterstützt Moving Child das Angebot der Stiftung AKM und finanziert über 150 Therapiestunden jährlich.

Der dritte Ansatz, den Moving Child finanziell unterstützt, sind kindgerechte Beerdigungen. Wenn ein Kind stirbt, müssen Eltern und Angehörige in der schwersten Zeit ihres Lebens eine Beerdigung organisieren, die ganz besonderen Ansprüchen unterliegt. Um den Familien in dieser Zeit beizustehen, hilft die Stiftung AKM organisatorisch und finanziell bei der Bewältigung dieser Aufgabe.

Darüber hinaus bietet die Stiftung AKM weitere hilfreiche und unterstützende Projekte an, wie zum Beispiel ambulante Hospizarbeit, Nachsorgeprojekte (z.B. Betroffenentreffen, Kreativangebote und Trauergruppen) und Angehörigenberatung. Aber auch „Herzenswünsche“ (ein Projekt, dass spezielle oder besondere Wünsche erfüllt), Geschwistertage, und Urlaub für die ganze Familie werden durch die Stiftung AKM unterstützt. Weitere Projekte und Spendenmöglichkeiten sind auch auf der Homepage der Stiftung AKM zu finden. All diese Angebote ermöglichen den schwerstkranken Kindern, Jugendlichen, jungen Erwachsenen und deren Familien Momente der Sicherheit, Geborgenheit und Normalität.